Achille Castiglioni
Achille Castiglioni (* 16. Februar 1918 in Mailand; † 2. Dezember
2002 ebenda) war ein italienischer Industriedesigner.
Biographie
Nach dem Architektur-Studium an der Polytechnischen Universität
Mailand gründete er 1944 zusammen mit seinen Brüdern Livio und Pier
Giacomo (1913–1968) ein Designbüro. Die Brüder gehörten dank ihres
schlichten, sachlichen Stils zu den bedeutendsten Designern der
italienischen Nachkriegszeit. Sie wurden dafür bekannt, bestehende
Produkte auf zuweilen überraschende Art neu zusammenzusetzen. Zwei
ihrer Leuchten, die Stehleuchte Toio – ein auf einer Stahlstange
angebrachter Autoscheinwerfer – und die Hängeleuchte Parentesi,
wurden in die Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art
aufgenommen. Achille Castiglioni lebte lange Zeit in Lierna am Comer
See, wo er viele seiner Werke im künstlerischen Atelier seines
Vaters Giannino Castiglioni entwarf, der als der bedeutendste
italienische Bildhauer des 20. Jahrhunderts gilt.
Anlässlich der XI. Mailänder Triennale 1957 stellten sie ihren
Traktorstuhl „Mezzadro“ vor, dabei verwendeten die Designer einen
handelsüblichen Traktorsitz und befestigten ihn mit einer
Flügelmutter an einem freischwingenden Bandstahlbogen. Zur
Stabilisierung verwendeten sie ein Querholz, das einer Leitersprosse
ähnelt.
Zu den großen Meisterwerken des italienischen Designs zählt auch der
„Lierna-Stuhl“, ein Esszimmerstuhl in lackiertem Holz, den die
Castiglioni-Brüder für den Möbelhersteller Cassina im Jahr 1960
entwarfen.
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Ettore Sottsass
Ettore Sottsass jr. (* 14. September 1917 in Innsbruck; † 31.
Dezember 2007 in Mailand) war ein italienischer Architekt und
Designer von Einrichtungsgegenständen, die er vorwiegend in der von
ihm stark geprägten Stilrichtung des „Anti-Designs“ gestaltete, das
ihn international bekannt und erfolgreich machte.
Biographie
Sottsass wurde als Sohn von Antonia Peintner und des Architekten
Ettore Sottsass senior (_ 1892, † 1954) geboren. Ende der 1920er
Jahre übersiedelte er mit seiner Familie nach Turin. Dort fing er
1935 ein Architekturstudium am Polytechnikum Turin an, das er 1939
mit Diplom abschloss. Bedingt durch einen siebenjährigen
Militärdienst dauerte es bis 1946 ehe Sottsass seine Arbeit als
Architekt, Designer und Maler in Mailand beginnen konnte. 1947
gründete er dort sein eigenes Studio. 1949 heiratete er die aus
Genua stammende Journalistin und Musikkritikerin Fernanda Pivano (_
1917, † 2009). 1957 wurde Sottsass künstlerischer Leiter von
Poltronova. Er experimentierte mit dem neuen Material Fiberglas und
benutzte es, um zeitgenössische Möbel und Beleuchtungskörper zu
entwickeln.
1958 begann seine Zusammenarbeit mit dem Büromaschinenhersteller
Olivetti, und bald erregten seine unkonventionellen Entwürfe
Aufsehen, so etwa die Gestaltung des ersten italienischen Computers
Olivetti Elea. Sottsass’ bekanntester Entwurf für Olivetti dürfte
die 1968 entworfene Schreibmaschine Olivetti Valentine – „knallrot,
tragbar und leicht“ – sein. Sie ist heute einer der bekanntesten
Designklassiker. David Bowie, Sammler von Sottsass-Objekten, soll
über die „Ikone“ gesagt haben: „Es war schier unmöglich, den Blick
von ihr abzuwenden.“
Die Pop Art beeinflusste auch die Innenausstattung seiner Guglielmo
Bar in Mailand und die Möbelkollektionen für Poltrona Frau
1965–1967. Aus Sottsass' Stockholmer Zeit 1969 stammen die
gestreiften Holzkuben-Schränke Superbox.
Seine Entwürfe wandten sich gegen den repräsentativen
Besitzcharakter der Gegenstände; vielmehr brachte Sottsass die
Alltagskultur in seinen Designs spielerisch zum Ausdruck. Sottsass
wurde so in kurzer Zeit zu einem führenden Vertreter des
„Anti-Designs“.
Der Micky-Maus-Tisch für das Industriedesign-Unternehmen Bonacina
(1972) und der Gelbe Sekretärsstuhl für Olivetti (1973) fügten
seiner radikalen Abwendung vom traditionellen Entwurf ein Element
der Ironie und des Humors hinzu.
1980 gründete er sein eigenes Unternehmen, die Ettore Sottsass
Associati. Sehr erfolgreich war auch die im Dezember 1980 von ihm
mitgegründete Memphis-Design-Gruppe, ein Zusammenschluss von
Architekten und Designern, der das Ende des „Internationalen Stils“
verkündete und seinen Namen mit der Wende zum emotionalen Design und
zur Postmoderne verknüpfte. Zu den Gründungsmitgliedern von
„Memphis“ zählten neben Sottsass auch Michele De Lucchi, Marco
Zannini, Barbara Radice, Aldo Cibic und Matteo Thun. 1988 wurde die
Memphis-Design-Gruppe von Sottsass wieder aufgelöst.
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Enzo Mari
Enzo Mari (* 27. April 1932 in Novara, Italien; † 19. Oktober 2020
in Mailand) war ein italienischer Designer und Objektkünstler.
Biographie
Mari studierte von 1952 bis 1956 an der Accademia di Belle Arti di
Brera in Mailand Literatur und Kunst. Sein Interesse galt besonders
der Psychologie der visuellen Wahrnehmung.
Bekannt wurde Mari durch seine Arbeiten für die italienischen
Unternehmen Danese Milano, Gavina, Artemide, Olivetti und Castelli,
außerdem durch seine zahlreichen Buchveröffentlichungen über
Themenbereiche des Designs.
Er unterrichtete am Polytechnikum Mailand, am Zentrum für visuelle
Kommunikation in Parma, an der Akademie der Schönen Künste in
Carrara sowie von 1963 bis 1966 an der Scuola Umanitaria in Mailand.
Er war Ehrenprofessor im Fachbereich Design an der Hochschule für
bildende Künste Hamburg. 1968 war er Teilnehmer der 4. documenta in
Kassel.
Sein Buch Autoprogettazione von 1974 enthielt 19 Entwürfe für
Holztische, -stühle, -regale und -betten, für deren Bau nur einfache
Werkzeuge nötig sind. Damit beeinflusste er die
Do-it-yourself-Bewegung. So sollte alles, was man zum Leben braucht,
simpel und schnörkellos mit Holzbrettern und Nägeln zusammengesetzt
werden. Mit der Serie Autoprogettazione, die längst Kultstatus
genießt, wollte er die Selbstgestaltung fördern, er entwarf dafür
die Bauanleitung für eine komplette Einrichtung. Ihm war dabei
wichtig, den Menschen die Regeln des Entwurfsprozesses verständlich
zu machen. Wer ihm das Porto zahlte, bekam von Mari die Bauanleitung
kostenlos zugeschickt.
Für Mari war schon früh die Nachhaltigkeit wesentlich, Design sollte
verträglich für die Umwelt sein, kein Luxusprodukt darstellen; die
Funktionalität eines Produktes und die Formgebung war ihm wichtiger
als der bloße Schein und das System des Stardesigns. Mari ging es
vornehmlich um die Wissensvermittlung, den kritischen Blick auf
aktuelle Produktionen.
Mari war nicht nur Designer, er kuratierte auch Ausstellungen,
schrieb und lehrte, so dass sich bei ihm, seinem Design und seinen
Objekten vieles zu einem Gesamtkunstwerk fügte. 2016 verkündete
Mari, dass er sein Archiv der Stadt Mailand vermachen würde, diese
gleichwohl sein Werk 40 Jahre nicht zeigen dürfe. Jasper Morrison
schätzt sein Design, das auf einfachen Prinzipien, Grundformen und
Stilelementen basiert. Für das avantgardistische Designerduo
Formafantasma war Mari das Vorbild, das die Wünsche des
Auftraggebers weit transzendiert.
Mari lebte und arbeitete in Mailand. Er war mit der Kunstkritikerin
Lea Vergine verheiratet.
Er starb am 19. Oktober 2020 in Mailand an den Folgen von COVID-19.
Am Tag darauf starb seine Frau Lea Vergine, mit der er fast 60 Jahre
lang verheiratet war, auch infolge dieser Viruserkrankung.
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Michele De Lucchi
Michele De Lucchi (* 8. November 1951 in Ferrara) ist ein
italienischer Designer und Architekt.
Biographie
Michele De Lucchi studierte Architektur in Florenz und gründete noch
während seines Studiums die „Gruppe Cavart“ in Padua, die für
radikales Design eintrat.
Mitte der 1970er Jahre lehrte er Industriedesign an der Universität
Florenz und wurde einer der engsten Mitarbeiter und Freunde von
Ettore Sottsass. Er war Mitglied und Mitbegründer der Bewegungen
Cavart, Alchimia und Memphis Group, deren experimentelle
Architekturauffassungen sich gegen das damalige Design-Establishment
richtete. Als napoleonischer General verkleidet, hielt der junge
Architekturstudent 1973 Wache vor der Institution der Mailänder
Triennale und protestierte gegen zu viele überflüssige Produkte. In
den 1980er Jahren entwarf De Lucchi für die „jungen Wilden“
postmoderne Möbel, Wohnaccessoires und Laminat. 1988 gründete er das
eigene „Studio De Lucchi“, zuvor war er 1979 als Designberater für
das Unternehmen Olivetti tätig, bei dem er 1992 zum Chefdesigner
ernannt wurde. 1998 gründete er die Firma „amdl“ mit Büros in
Mailand und Rom.
Michele De Lucchi wurde 2001 an der Universität Venedig zum
Professor der Fakultät Design und Kunst ernannt und erhielt 2006 für
seine Bemühungen um die Lebens- und Wohnqualität, einen
Ehrendoktortitel an der Kingston Universität.
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